
Berlin, 02. November 2026
Nachdem der SPD-Landesvorstand und der Grünen-Landesausschuss bereits jeweils am 19. Oktober 2026 grünes Licht gegeben hatten und am 31. Oktober 2026 der Landesparteitag von Die Linke der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zugestimmt hat, rückt mit den nun anstehenden Gesprächen über die Inhalte des neuen Koalitionsvertrags auch die Frage in den Fokus, wie Berlin seine wirtschaftlichen Stärken in den nächsten Jahren weiterentwickeln kann. Die Kreativ- und Digitalwirtschaft wird im gemeinsamen Sondierungspapier der drei Parteien als „größte produzierende Branche Berlins“ hervorgehoben und dabei wird betont, dass man künftig die „Unterstützungsstrukturen bündeln und strategisch ausbauen“ wolle.
Im Rahmen der bald beginnenden Koalitionsgespräche hat medianet eine 7-Punkte-Zukunftsagenda für die Berliner Creative-Technologies-Wirtschaft vorgelegt.
- CreativeTech als wirtschaftliches Zukunftsfeld verstehen & Strategie entwickeln
Film, Games, Design, Fashion, Musik, Medien, Software, KI, XR und digitale Produktion wachsen technologisch immer stärker zusammen. Berlin sollte diese Entwicklung als gemeinsames wirtschaftspolitisches Leitbild betrachten und die vorhandene Stärke aus Kreativwirtschaft, Tech, Wissenschaft und Unternehmertum strategisch miteinander verbinden. Dafür sollte, gemeinsam mit den Branchen-Akteuren, eine dynamische CreativeTech-Strategie entwickelt werden, die kontinuierlich fortgeschrieben wird. Dadurch wird die Attraktivität sowohl für Unternehmensansiedlungen als auch für den Tourismus gestärkt.
- Zuständigkeiten unter einem Dach bündeln
CreativeTech berührt Wirtschafts-, Kultur-, Wissenschafts-, Digital-, Bildungs- und Standortpolitik zugleich. Eine starke ressortübergreifende Koordination soll über eine landesgeförderte Berlin CreativeTech-Gesellschaft als Wirtschaftsförderinstitution und strategische Dachorganisation erreicht werden, die Themen wie Cross Innovation, Internationalisierung, Fachkräfte, Gründungen und Transformation vorantreibt. Vereine wie das branchenübergreifende CreativeTech-Netzwerk medianet berlinbrandenburg, mit langjährigen Umsetzungserfahrungen im Bereich Innovationsprojekte, Gründungsförderung und internationale Kooperationen und einer gewachsenen interdisziplinären Business-Community, sollen dabei gestärkt werden.
- Kontinuierlicher Austausch auf Senatsebene
Ein kontinuierlicher Austausch mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Bildung und Netzwerken soll sicherstellen, dass Innovationshemmnisse frühzeitig erkannt und vorhandene Strukturen effizienter genutzt werden. medianet schlägt dafür einen regelmäßigen interdisziplinär besetzten Round Table mit Branchen-Akteuren vor, der auf Senatsebene organisiert wird.
- Cross-Innovation und Technologietransfer stärken
Das Wachstumspotenzial von Creative Technologies liegt zunehmend auch außerhalb der eigenen Branchen. Berlin sollte deshalb Kooperationen zwischen Kreativwirtschaft, Industrie, Wissenschaft, Start-ups und öffentlichem Sektor erleichtern und Orte sowie Programme schaffen, an denen Technologien gemeinsam erprobt und in neue Anwendungen und Geschäftsmodelle übertragen werden können.
- KI-Transformation für KMU und Solo-Selbstständige ermöglichen
Gerade kleinere Unternehmen und Selbstständige stehen vor der Herausforderung, neue KI-Anwendungen in konkrete Geschäfts- und Produktionsprozesse zu integrieren. Weiterbildung, Beratung, Pilotprojekte und Unterstützung bei der Implementierung von KI sollten deshalb stärker miteinander verbunden und von politischer Seite, z.B. mit einer KI-Förderung, unterstützt werden.
- Räume für Innovation erhalten und neu erschließen
Bezahlbare Arbeits-, Produktions- und Experimentierräume bleiben eine wesentliche Voraussetzung für Gründungen und kreative Innovation. Leerstehende Gewerbe- und Büroflächen könnten systematisch für temporäre Zwischennutzungen durch Kreative, Start-ups und innovative Unternehmen geöffnet werden.
- Berlin international über reichweitenstarke Formate als CreativeTech-Standort sichtbar machen
Berlin verfügt bereits über international sichtbare Teilbranchen und etablierte Veranstaltungen – darauf aufbauend bietet sich die Chance, ein gemeinsames Schaufenster für die Verbindung von Kreativität und Technologie zu schaffen. Ein branchenübergreifendes Leitformat könnte die Innovationskraft des Standorts international sichtbar machen, neue Partnerschaften ermöglichen und Berlin noch stärker als Treffpunkt für Kreativität, Technologie und Unternehmertum positionieren. Denkbar wäre etwa ein internationaler CreativeTech Award mit begleitender CreativeTech Week.
medianet untermauert mit dieser Zukunftsagenda die im Sondierungspapier beschriebenen Positionen und liefert damit wichtige Impulse für die anstehenden Koalitionsverhandlungen und den weiteren Dialog über die wirtschaftliche Entwicklung Berlins.
Jeannine Koch, Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin medianet berlinbrandenburg e.V.:
„Creative Technologies sind längst ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Stärke Berlins. In der kommenden Legislaturperiode besteht die Chance, Creative Technologies zu einem prägenden Zukunftsfeld der Stadt zu machen. Dafür müssen wir die Stärken, die vorhanden sind, noch konsequenter miteinander verbinden: Kreativwirtschaft, Technologie, Wissenschaft, Bildung und Industrie. Es geht u.a. darum, sich als Hauptstadtregion strategisch aufzustellen, Kompetenzen z.B. in einer Berlin CreativeTech-Gesellschaft zu bündeln, KI-Transformation gerade für kleinere Unternehmen und Selbständige zu ermöglichen, Räume zu schaffen, in denen neue Ideen ausprobiert werden können, und Cross-Innovation zwischen Branchen gezielt zu fördern. Gleichzeitig braucht es Formate, die Berlins CreativeTech-Kompetenz international sichtbar machen. Wenn wir all diese Bausteine zusammen denken und gestalten, entsteht mehr als die Förderung einzelner Branchen – es entsteht ein Innovationsökosystem, das neue Produkte, Geschäftsmodelle und Wachstum weit über die Kreativwirtschaft hinaus ermöglicht.“
Über die Berliner Creative-Technologies-Wirtschaft:
Creative Technologies (CreativeTech) verbinden die Innovationskraft der Kreativwirtschaft mit den Möglichkeiten digitaler Technologien. An der Schnittstelle von Games, Film, Design, Software, KI, XR und Virtual Production entstehen neue, skalierbare Geschäftsmodelle, Produkte und Anwendungen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung reicht weit über die Kreativwirtschaft hinaus: CreativeTech ist ein branchenübergreifender Innovationstreiber, der technologische Entwicklungen in konkrete Anwendungen übersetzt und damit neue Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Industrie, Bildung, Mobilität und weiteren Wirtschaftsbereichen schafft. CreativeTech ist damit nicht nur eine Zukunftsbranche, sondern ein strategischer Standort- und Wirtschaftsfaktor.
Laut des in diesem Jahr veröffentlichten Kreativ- und Digitalwirtschaftsbericht der Berliner Senatswirtschaftsverwaltung erwirtschafteten die Kreativ- und Digitalwirtschaft 2024 mehr als 56 Milliarden Euro Umsatz und standen für rund 15 Prozent der gesamten Berliner Wirtschaftsleistung – mit rund 44.000 Unternehmen und insgesamt ca. 245.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Auch die neue gemeinsame Innovationsstrategie InnoBB 2035 der Länder Berlin und Brandenburg führt „Digitale Technologien & CreativeTech“ als einen von fünf Zukunftsbereichen der Hauptstadtregion.
Interview-Angebot:
Bei Interesse an einem Interview mit Jeannine Koch melden Sie sich jederzeit gerne bei uns.
Pressekontakt:
Alexander Fuchs
Public Relations & Political Affairs Manager
medianet berlinbrandenburg e.V.
Neuköllnische Allee 80
12057 Berlin
+49 30 2462 85-716
