„Die Stärke des Standorts liegt in seiner Authentizität“ – 3 Fragen an Thomas Mulack, Leitung Marketing & Vertrieb beim Filmpark Babelsberg

„Erlebe die Magie des Films“, heißt es auf der Website des Filmpark Babelsberg – und bietet in diesem Jahr viele Highlights für alle Zielgruppen. Wie aber schafft es der Park, in seinem Angebot die Tradition des Standorts mit den neuen Medientechnologien zu verbinden? Und welche Unterstützung von politischer Seite wäre wünschenswert? Darüber sprachen wir mit Thomas Mulack, Leitung Marketing & Vertrieb.
„Die Stärke des Standorts liegt in seiner Authentizität“ – 3 Fragen an Thomas Mulack, Leitung Marketing & Vertrieb beim Filmpark Babelsberg
1. Ihr habt eure Pforten seit dem 1. April geöffnet. Wie verlief euer Saisonstart und was sind die kommenden Highlights eures Programms? 

Unser Saisonstart stand ganz im Zeichen des klassischen Filmpark-Mottos: Film zum Mitmachen statt Film nur zum Anschauen. Neben unseren bewährten Publikumslieblingen – insbesondere den Stuntshows und Filmkulissen – setzen wir in dieser Saison verstärkt auf Entertainer*innen, die mit unserem Gästen agieren, auf interaktive Formate und besondere Eventmomente.  

Für die kommenden Monate bieten wir ein Programm, das klassische Filmpark-Unterhaltung mit Eventcharakter verbindet:  

  • Bürger*innen- und Themenveranstaltungen wie „75 Jahre Bundespolizei“
  • Musikveranstaltungen im Rahmen der Potsdamer Musikfestspiele
  • Sommerferien-Specials und Stuntworkshops für Kinder
  • die traditionellen Horrornächte im Herbst als eines der bekanntesten Saisonformate

Kurz gesagt: Viele Höhepunkte für unterschiedliche Zielgruppen.  

 

2. Die Filmbranche befindet sich im rasanten Wandel: Technologien wie KI, VR, XR und AR revolutionieren die Produktionsprozesse von Grund auf. Wie gelingt euch der Spagat zwischen einerseits traditionsreicher Nostalgie mit Blick auf euren Standort und andererseits dem rasanten Medienwandel, um immersive Zukunftstechnologien für eure Besucher*innen greifbar und erlebbar zu machen?

Der Filmpark Babelsberg bewegt sich in einem Spannungsfeld, das für viele Kultur- und Medienorte typisch geworden ist: Er steht auf einem historisch aufgeladenen Standort mit einer langen Filmtradition und muss zugleich zeigen, wie sich die Medienwelt verändert. Der Spagat gelingt im Kern nicht dadurch, dass Tradition und Technologie gegeneinander ausgespielt werden, sondern indem die Geschichte des Films als Ausgangspunkt für neue Erlebnisformen genutzt wird.

Die Stärke des Standorts liegt in seiner Authentizität: unsere Gäste kommen nicht nur wegen einer Attraktion, sondern wegen eines Ortes mit kulturellem Erbe. Natürlich erwartet das Publikum heute zunehmend Interaktion statt reiner Beobachtung. Und die neuen Technologien ermöglichen genau das: Aus Zuschauenden werden Teilnehmende. Wir müssen Medienkompetenz und Unterhaltung verbinden.

Der Filmpark könnte dadurch eine doppelte Funktion erfüllen: Er bewahrt das kulturelle Erbe des Standorts Babelsberg und wird zugleich zu einem Experimentierraum für zukünftige Medienformen. Aus nostalgischer Erinnerung wird ein interaktiver Lern- und Erlebnisort, an dem Besucher*innen nicht nur sehen, wie Film früher gemacht wurde – sondern auch erfahren, wie Film in Zukunft entstehen könnte.

3. Wir hatten kürzlich Potsdams Oberbürgermeisterin, Noosha Aubel, beim „Politischen Morgen“ des medianet zu Gast. Mit ihr haben wir u.a. über die Bedeutung und die Zukunft der Medienstadt Babelsberg gesprochen. Was macht aus eurer Sicht diesen Standort so speziell und was würdet ihr euch – vielleicht auch von politischer Seite – für die Zukunft wünschen? 

Babelsberg ist nicht nur ein geografischer Ort, sondern ein Medienökosystem. Eine zentrale Besonderheit ist die Nähe unterschiedlichster Akteure: das Studio Babelsberg, Hochschulen und Ausbildungsstätten, Kreativunternehmen sowie der Filmpark Babelsberg als öffentlich erlebbarer Ort. Dadurch entsteht eine seltene Verbindung zwischen der Medienproduktion und dem Publikum. Besucher*innen können Film nicht nur konsumieren, sondern dessen Entstehung nachvollziehen und unmittelbar erleben.  Ich wünsche mir, dass Babelsberg noch stärker als integrierter Medien- und Innovationsstandort gedacht wird. Politische Unterstützung wäre dabei insbesondere in mehreren Bereichen relevant:  

  • Langfristige Investitionen in digitale Infrastruktur und Zukunftstechnologien wie KI, XR und virtuelle Produktionsumgebungen.  
  • Eine stärkere Vernetzung zwischen Kultur, Forschung, Start-ups und Medienwirtschaft 
  • Förderung von Bildungs- und Vermittlungsformaten, damit Besuchende und junge Menschen frühzeitig Zugang zu neuen Medientechnologien erhalten 
  • Planungssicherheit und Investitionssicherheit für kulturelle und touristische Einrichtungen  

Zukunftstechnologien entfalten ihren größten Wert dann, wenn sie auch gesellschaftlich und kulturell erfahrbar werden. Der Filmpark könnte dabei eine Art Schaufensterfunktion übernehmen: ein Ort, an dem Menschen nicht nur sehen, welche Technologien die Medienwelt verändern, sondern sie selbst ausprobieren und verstehen. 

 

Mai 2026